Datenvisualisierung  

Aufgabenstellung:
Gestaltung eines Plakats mit Informationsgrafiken zum Thema demographischer Wandel auf Basis vorgegebener Daten.

Wenn du vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr siehst

Das erste Ziel bestand darin auf Eurostat spannende Datensätze zum demographischen Wandel in Europa zu finden und diese anschliessend in Microsoft Excel aufzubereiten und zu analysieren. Diese Aufgabe gestaltete sich aufwändiger als gedacht. Wir standen vor so vielen Möglichkeiten, dass wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sahen.

  

Anfangs fanden wir vor allem an der Anzahl Singlehaushalte in den verschiedenen Regionen der Schweiz Interesse, da wir hierzu kürzlich einen Artikel gelesen hatten. Da wir aber den Fokus auf die zeitliche Entwicklung setzen wollten und uns nur der Datensatz aus dem Jahr 2011 zur Verfügung stand, entschieden wir uns dazu, diese Idee zu verwerfen. Auch fanden wir das Thema der Berufsverteilung innerhalb der Schweiz sehr spannend. Plötzlich stiessen wir jedoch auf interessante Zahlen im Datensatz der Zivilstände: Uns fiel auf, dass die Heiratsrate in Ländern mit höheren Temperaturen wie in Spanien, Malta oder Griechenland, auffallend hoch und in Ländern mit tieferen Temperaturen, wie in Norwegen oder Schweden, auffallend niedrig ausfiel. Auch wenn wir aus lauter Euphorie bereits erste Gestaltungsideen hatten (Grafiken mit Thermometern), säuberten und prüften wir zuerst die Daten.

Da wir jedoch keine Jahres- sondern nur Monats-Durchschnittstemperaturen zu den einzelnen Ländern fanden, fertigten wir hierzu eine Liste mit Klimazonen an. 

Leider bestätigte sich unsere Vermutung nicht. Irland machte uns einen Strich durch die Rechnung und auch bei den übrigen Ländern waren klare Abweichungen sichtbar. Ganz nach dem Motto «Kill your darlings» mussten wir die Idee, ohne klare Tendenz, leider wieder verwerfen. 

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die Enttäuschung währte nur kurze Zeit, denn plötzlich machten wir eine bemerkenswerte Entdeckung: «2011 waren In Spanien 12’000 der 10 bis 14-jährigen bereits verheiratet»  

Nach kurzer Online-Recherche fanden wir heraus, dass Spanien kürzlich das Mindestalter für das Heiraten von 14 auf 16 Jahre erhöht hatte. Das Thema war also brandaktuell. Wir untersuchten den Datensatz nach weiteren Auffälligkeiten: «Durchschnittlich 54% der Isländer waren im Jahr 2011 single». Island ist damit im europäischen Vergleich Spitzenreiter. Die Schweiz hingegen befindet sich in allen drei Bereichen (verheiratet, geschieden, single) im Durchschnitt.

Auf Grundlage diesen neuen Wissens, entschieden wir uns dazu Island sowie Spanien als auffälligste Länder, die EU (EU28) als Referenz und die Schweiz als Bezugsland für unser Publikum einzubauen. Wir überlegten uns erste Gestaltungsideen, arbeiteten mit der Form der Länder, erstellten eine Situationsskizze auf einer Europakarte und probierten verschiedene Darstellungsformen für die Grafiken aus. 

    

Kill your darlings

Da der Platz auf einem A2 Plakat beschränkt ist und uns Daten zu den Zivilständen mehrerer Altersklassen (10-14, 15-19, 20-24 etc.) zur Verfügung standen, mussten wir uns überlegen, wie wir die Altersgruppen am besten zusammenfassen können. Da kam uns die Idee mit den Generationen:

Auf Basis dieser bereits bekannten Generationen, ordneten wir unsere auserwählten Daten im Excel neu und erarbeiteten die ersten Visualisierungsideen:

  

Während dieses Prozesses entschieden wir uns dazu, die Zivilstände mit typischen Icons zu symbolisieren (Eheringe, Singleperson, gebrochenes Herz) und die Balken für die Informationsgrafiken mit diesen auszufüllen:

 

In Adobe Illustrator testeten wir verschiedene Icon-Varianten aus, da das Aneinanderreihen der Icons teils zu optischen Täuschungen führte.

Kommt Zeit, kommt Rat

Zudem erarbeiteten wir einen Zeitstrahl mit den jeweiligen Generationen, den wir in den Mittelpunkt unseres Plakats setzten. Durch den Zeitstrahl sollten die Generationen erklärt und das Verständnis des Betrachters durch einen roten Faden gestützt werden. Für jede Generationen wollten wir dann eine Infografik anfertigen.

Wir einigten uns darauf, die Generationen in Form von gezeichneten Personas zu visualisieren und die drei Hauptstatements in den dazugehörigen Sprechblasen.

Motiviert fertigten wir die erste Version unseres Plakats auf einem Flipchart an, um die Proportionen der einzelnen Bestandteile besser einschätzen zu können.

Wir entschieden uns dazu die Grafik zur EU28, nicht so wie die anderen Länder, als Piktogramme, sondern als Kreisdiagramm in der Mitte darzustellen. Die differenzierte Gestaltung begründeten wir damit, dass EU28 unsere «Referenz» ist und somit herausstechen darf:

Ende gut, alles gut..?

Am Freitag an der Präsentation konnten wir dann unsere erste Version des Plakats vorzeigen:

Wir erhielten einige hilfreiche Feedbacks:

  • Der Generationen-Strahl soll nicht mittig angeordnet werden, um mehr Platz für die Grafiken zu schaffen (rechts, links oder geschwungen)
  • Da Europa als Kreisdiagramm und wie die anderen Länder als Piktogramme dargestellt wird, kann man die Länder schlecht miteinander vergleichen: Ziel: Die anderen Länder ebenfalls als Kreisdiagramme darstellen
  • Eventuell Hauptaussagen kleiner gestalten und anders anordnen
  • Überlegen, wo wir die Jahrgänge der Generationen einfügen
  • Titel noch etwas pfiffiger

Als letzte Aufgabe der Blockwoche erarbeiteten wir einen kleinen Styleguide, der uns bei der Erarbeitung des Plakats helfen sollte:

Nach der Blockwoche

Nach der Bockwoche ging es darum, sich auf einen Stil für die Kreisdiagramme zu einigen und all diese mit Adobe Illustrator zu erstellen. Wir einigten uns darauf, die Kreisdiagramme nicht vollständig zu schliessen, sodass etwas mehr Freiraum bleibt. Somit definierten wir für das Total der Kreisdiagramme nicht 100, sondern 70 Prozent. Zudem entschieden wir uns dazu, die Öffnung jeweils auf diejenige Seite zu platzieren, auf der auch die Sprechblase ist: So wirkt es, als würde die skizzierte Person die Aussage machen.  

Bei den Farben für das Kreisdiagramm beliessen wir es nicht bei den Erdtönen, für die wir uns anfangs begeistert hatten, sondern definierten Kontrastfarben, die zu der blau-grünen Schattierungen der Figuren passen (2.v.l.):

Zudem überlegten wir uns, wie wir die Prozentzahlen innerhalb der Diagramme (Schweiz, Spanien, Island) anordnen sollen: Damit die Kreisdiagramme, von welchen wir jeweils drei pro Generation anfertigten (+ EU28 mit der Figur in der Mitte als Referenz), nicht zu viel Platz einnehmen, wählten wir hier die mittlere Darstellung. Nebst der Platzersparnis fanden wir, dass bei dieser Darstellung der dazugehörige Kreisabschnitt besser und schneller gefunden wird.

Nebst den Diagrammen beschäftigten wir uns mit dem Begleittext und dem definitiven Titel. Wichtig war uns, dass der Titel nicht nur die Thematik erläutert, sondern auch die Generationen aufgreift. Wir einigten uns auf «Zivilstände im Wandel der Generationen». 

Des Weiteren passten wir die Hintergrund-Farbe noch etwas an. Wir wählten eine Farbe, die stilistisch besser zu den skizzierten Icons passte. Abschliessend fügten wir alle Inhalte zusammen:  

8_Steiner_Corpataux_Loertscher_Zivilstaende_Final

 

Der Anfang kennt das Ende nicht 

Rückblickend haben wir in dieser intensiven Zeit so einiges gelernt. Aus einem riesigen Datensalat interessante Aspekte herauszupicken, wird in Zukunft zwar immer noch eine Herausforderung, jedoch mit mehr Zuversicht und strukturierterem Vorgehen umsetzbar sein. Dass Referenz-Diagramme zwingend mit der gleichen Darstellung (Piktogramm, Balken etc.), wie die restlichen Diagramme visualisiert werden müssen, sodass sie auch vergleichbar sind, wurde uns während des Arbeitsprozesses klar vor Augen geführt. Ausserdem konnten wir uns mit dem Grafiktool von Adobe Illustrator vertraut machen. 

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